Logistics Intelligence Series | Modul 1 von 6

Standzeit-Prediction:
Die unsichtbaren Kosten an der Rampe

Wie ein LSTM-Modell aus Ihren vorhandenen Telematik-Daten vorhersagt, welche Kunden Ihre Flotte systematisch ausbremsen - und was das Ihre Disposition wirklich kostet.

01 Das Problem, das jeder kennt - aber niemand misst

Warum Standzeiten der blinde Fleck in Ihrer Kalkulation sind

Jeder Disponent weiß: Bei manchen Kunden steht der LKW an der Rampe deutlich länger als geplant. Aber wie viel länger? Und was kostet das wirklich? Die Daten dafür existieren bereits in Ihrem System - Telematik-Timestamps, Auftragshistorie, GPS-Positionen. Sie werden nur nicht verbunden.

Wir zeigen in diesem Notebook, wie ein Deep-Learning-Modell (LSTM) aus genau diesen Daten lernt, Standzeiten vorherzusagen - pro Kunde, pro Wochentag, pro Ladungstyp. Das Ergebnis: Eine konkrete Euro-Zahl, die Ihnen zeigt, welche Touren Sie systematisch Geld kosten.

Telematik-Daten
Feature Engineering
LSTM Training
Prediction
€ Impact

02 Datengrundlage - Was Ihr System bereits weiß

Synthetische Daten, die reale Telematik-Strukturen abbilden

Wir simulieren den Datensatz eines mittelständischen Logistik-Unternehmens mit 150 LKW, 43 regelmäßigen Kunden und ca. 18.000 Anfahrten über 12 Monate. Die Datenfelder entsprechen dem, was typische Telematik-Systeme (Fleetboard, TomTom, Trimble) und ERP-Systeme liefern.

▸ Output
Dataset: 18.000 Anfahrten, 43 Kunden
DatumAnkunftKundeBrancheRampenLadungstypGewichtStandzeit
2024-01-1508:23K-007Automotive4Komplett18.3t32.4 min
2024-01-1509:41K-012FMCG2Stückgut5.7t67.8 min
2024-01-1511:52K-003Baustoffe1Komplett23.1t94.2 min
2024-01-1607:15K-028Pharma6Teilladung3.2t22.1 min
2024-01-1610:08K-019Lebensmittel3Komplett14.9t58.6 min

03 Explorative Analyse - Wo versteckt sich das Muster?

Die Daten sprechen bereits, bevor wir ein Modell trainieren

Durchschnittliche Standzeit nach Wochentag
↳ Erkenntnis

Montags ist die durchschnittliche Standzeit 28% höher als am Mittwoch. Der Grund: Rückstau durch Wochenend-Anlieferungen, die am Montag abgearbeitet werden. Freitagnachmittag zeigt einen zweiten Peak - das Lagerpersonal wird vor dem Wochenende reduziert.

Top 10 Kunden nach Ø Standzeit (Minuten)
↳ Der versteckte Kostentreiber

Kunde K-003 (Baustoffe, 1 Rampe) hat eine Ø Standzeit von 89 Minuten - fast doppelt so hoch wie der Gesamtschnitt. Bei 420 Anfahrten/Jahr erzeugt allein dieser Kunde €23.625 an Standkosten mehr als nötig. Das steht in keiner Rechnung.

04 Feature Engineering - Vom Datenpunkt zum Signal

Was das Modell wissen muss, um Standzeiten vorherzusagen

▸ Output
Feature-Matrix: 12 Features × 18.000 Samples

Der entscheidende Trick: kunde_rolling_avg - der gleitende Durchschnitt der letzten 20 Anfahrten pro Kunde. Dieses Feature allein erklärt ~40% der Varianz. Es codiert das implizite Wissen, das Ihre Disponenten im Kopf haben ("Beim Müller dauert's immer ewig") - aber als exakte Zahl.

05 LSTM-Modell - Sequenzen statt Einzelwerte

Warum ein rekurrentes Netz hier mehr sieht als klassische Regression

Ein einfaches XGBoost könnte bereits gute Ergebnisse liefern. Aber ein LSTM (Long Short-Term Memory) kann zusätzlich lernen, dass Standzeiten bei einem Kunden über die Zeit steigen - z.B. wenn ein Lager an Kapazität verliert oder Personal abbaut. Es erkennt Trends im Trend.

▸ Output - Modell-Architektur
Model Parameters: 26,561

Das Modell nutzt einen Attention-Mechanismus: Es lernt selbst, welche der letzten Anfahrten am relevantesten für die aktuelle Vorhersage sind. Bei einem Kunden, der gerade sein Lager umbaut, gewichtet es die jüngsten Datenpunkte stärker.

06 Ergebnisse - Was das Modell sieht

Trainiert auf 80% der Daten, evaluiert auf den letzten 3 Monaten

8.3 min
MAE (LSTM)
0.847
R² Score
14.2%
MAPE
15.1 min
MAE (Baseline)
↳ Interpretation

Das LSTM-Modell sagt die Standzeit mit einem Fehler von ±8.3 Minuten voraus - 45% genauer als die simple Baseline (Ø der letzten 5 Besuche). Der R²-Wert von 0.847 bedeutet: Das Modell erklärt 85% der Varianz in den Standzeiten. Die restlichen 15% sind echtes Rauschen (Wetter, Personalwechsel, etc.).

Predicted vs. Actual Standzeit (Test-Set, n=3.600)
Prediction-Fehler nach Kunde - Wo das Modell unsicher ist

07 Business Impact - Was das in Euro bedeutet

Die Rechnung, die Ihr Controller sofort versteht

14.850 h
Standzeit / Jahr
€667.500
Gesamt-Standkosten
€184.300
Vermeidbar
27.6%
Einsparpotenzial
Vermeidbare Standkosten pro Kunde - Top 10
↳ Die harte Wahrheit

Bei einem typischen Fuhrpark mit 150 LKW entstehen jährlich ca. €667.500 an Standkosten. Davon sind €184.300 vermeidbar - allein durch bessere Tourenplanung basierend auf den Predictions. Die Top-5-Kunden verursachen 38% der vermeidbaren Kosten. Das sind €70.000/Jahr, die sich mit einem einzigen Gespräch über Zeitfenster zurückholen lassen.

KundeBrancheAnfahrtenØ StandzeitVermeidbare KostenHandlungsempfehlung
K-003Baustoffe42089 min€23.625Zeitfenster-Vereinbarung + Frühslot
K-017Chemie38076 min€17.100Montags vermeiden, 2. Rampe fordern
K-029FMCG51068 min€14.535Ankunft vor 09:00 priorisieren
K-041Lebensmittel34071 min€10.455Stückgut bündeln (weniger Anfahrten)
K-008Automotive29062 min€6.960JIT-Fenster nutzen (bereits vorhanden)

08 Nächste Schritte

Von der Analyse zur Implementierung

Dieses Modell ist innerhalb von 2–3 Wochen auf Ihren realen Daten trainierbar. Was Sie dafür brauchen:

① Daten-Export

CSV aus Telematik + ERP: Ankunftszeit, Kunde, Ladezeit, Gewicht. Keine Bereinigung nötig - wir übernehmen das.

② Pilotphase

Modell auf Ihren Top-20-Kunden trainieren. Ergebnis: Dashboard mit täglichen Predictions für die Dispo.

③ Integration

API-Anbindung an Ihr TMS. Automatische Standzeit-Prognose bei Tourenerstellung. Live-Alerts bei Anomalien.